Cloud Computing und standardisierte Schnittstellen

Pressemeldung


Prof. Dr. Thomas Barton

Ein Paradigmenwechsel in der Informationstechnologie (IT) scheint sich anzubahnen, bei der es vereinfacht gesprochen darum geht, IT-Ressourcen nicht mehr zu besitzen, sondern als Dienstleistung zu beziehen. Andreas von Bechtolsheim, einer der Gründer von Sun Microsys-tems, nennt Cloud Computing “the Fifth Generation of Computing. After Mainframe, Personal Computer, Client-Server Computing, and the Web”. Bei Cloud Computing handelt es sich nicht wirklich um eine fundamental neue IT-Technologie. Vielmehr entwickelte sie sich auf der Grundlage bekannter und erprobter Computing-Modelle wie beispielsweise Virtualisie-rung, Service Oriented Architecture (SOA), deren technologischer Weiterentwicklungen und einer Veränderung gesellschaftlicher und sozialer Rahmenbedingungen (wie z.B. Mobilität, Globalisierung, neues Nutzerverhalten, ständige Erreichbarkeit, "Digital Natives", Überlap-pung von Geschäfts- und Privatleben). Letztlich sind es im Wesentlichen vier Gruppen von Entwicklungen, deren Zusammenwirken Cloud Computing erst ermöglichte: erweiterte Kommunikations- und Web-Technologien, neue IT-Infrastrukturentwicklungen, die verstärkte Industrialisierung der IT und ein verändertes Nutzerverhalten.


Abb. 1: Das 3-Ebenenmodell von Cloud Computing

Cloud Computing lässt sich durch ein weitgehend akzeptiertes 3-Ebenenmodell mit drei Ser-vice-Ebenen beschreiben (siehe Abb.1). Allen Ebenen ist dabei gemeinsam, dass dort IT-Ressourcen als abstrakte, virtualisierte IT-Dienstleistungen „as a Service“ bereitgestellt wer-den, die nutzungsabhängig abgerechnet werden.
Die Ebene 1 ist die „unterste“ Ebene, zu der der Cloud-Anwender Zugang hat. Hier hat er Zugriff auf Rechen-, Speicher- und Netzkapazität, bereitgestellt als IT-Dienstleistung mit ho-hem Automatisierungs- und Standardisierungsgrad, wobei er in der Regel unter verschiedenen Betriebssystemen wählen kann. Bei der Ebene 2 – der PaaS-Ebene – handelt es sich um den so genannten Middleware-Layer, auf dem, vereinfacht gesprochen, Software-Architekten und Anwendungsentwickler technische Frameworks – also Entwicklungsplattformen – als Services vorfinden. Zur Verfügung steht hier eine standardisierte Umgebung mit optimierten Middleware- und Datenbank-Services für die Portal- und Anwendungsentwicklung, weiterhin gibt es Services für Integration, Zugriffskontrolle, Sicherheit, Synchronisierung und Datenhal-tung. Auf der dritten Cloud-Ebene stehen dem Anwender in der Fachabteilung fertige An-wendungs-Services in standardisierter Form zur Verfügung. Er kann – so zumindest die Visi-on – aus einem Service-Katalog online und automatisiert diejenigen Applikationsbausteine auswählen und zu einer ablauffähigen Anwendungslösung kombinieren, die am besten geeig-net ist, seine Geschäftsprozesse optimal zu unterstützen. Dabei können ihm die für die Lauf-fähigkeit der Anwendungslösung evtl. benötigten Services der PaaS-Ebene und die notwendi-gen Infrastukturressourcen der IaaS-Ebene gleich mitgeliefert werden.

Hemmnisse bei der Nutzung von Cloud Computing

Die hohen Steigerungsraten, die für Cloud-Computing in Deutschland prognostiziert werden, könnten den Anschein erwecken, dass die Nutzung von Cloud-Computing in den Unterneh-men bereits gängige Praxis ist. Dem ist allerdings nicht so. Es herrscht bei vielen Unternehmen immer noch eine deutliche Skepsis und spürbare Zurückhaltung vor, diese neue Art der IT-Versorgung auf breiter Front zu nutzen, wie z.B. fehlende/nicht ausreichende (offene) Standards und Schnittstellen, die eine einfache Interoperabilität zwischen Clouds und die Integration von Cloud-Services mit bestehenden Anwendungen ermöglichen.

Wege zu einer Vereinheitlichung von Schnittstellen auf Basis von REST APIs

Schnittstellen zwischen Anwendungen sind ein wichtiges Thema, um Anwendungen miteinander zu integrieren. Application Programming Interfaces (APIs) sind u.a. sehr wichtig, um sogenannte Mashups zu erzeugen, die eigene Anwendungen darstellen und Daten aus anderen Anwendungen verwenden.


Abb. 2: Klassifikation von APIs (Datenerhebung auf Basis
von http://www.programmableweb.com Abruf am 29.08.2012)

Viele der APIs, die bei der Erstellung von Mashups verwendet werden, basierend auf dem Architekturstil mit Namen Representational State Transfer. Man spricht auch von RESTful Services, REST-basierter Kommunikation oder REST-basierter Architektur Als Begriffe für die APIs finden RESTful APIs oder REST APIs Verwendung. Klassifiziert man APIs aufgrund der Eigenschaft, ob eine REST-basierte Kommunikation Verwendung findet oder nicht, erhält man auf Basis von 7093 APIs folgendes Ergebnis (siehe Abbildung 2): Zu einem überwiegenden Anteil von 66% finden RESTful APIs Verwendung, um bestehende Anwendungen mit anderen Anwendungen zu integrieren.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Artikel „Cloud Computing als neue Herausforderung für Management und IT“ von Thomas Barton und Gerald Münzl aus dem Tagungsband zur Fachtagung „Management und IT“ des Arbeitskreises Wirtschaftsinformatik AKWI, September 2012.

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