Das Open Source Automation Development Lab (OSADL), ein internationales Konsortium, das die Anwendung von Open SourceSoftware in der Industrie unterstützt, hat die Releasearbeiten für den sogenannten „Latest Stable“ EchtzeitLinuxkernel erfolgreich abgeschlossen. Dies gilt im Besonderen für die Produkte und Dienstleistungen der OSADLMitgliedsunternehmen
– AMD, Intel und Texas Instruments für Prozessoren und Kontroller
– Eltec, Kontron und Phytec für ComputerBoards und Module
– IMMS, Linutronix/Elbe, Pengutronix/Ptxdist, Sysgo/Elinos, Windriver/Yocto für BoardSupportPackages
und für weitere von Mitgliedsunternehmen zum Test bereitgestellte Industriesysteme. Alle Systeme wurden fortlaufenden Tests in der OSADL QAFarm unterzogen. Wann jedoch ein Nachfolgerelease verfügbar sein wird, hängt von der verstärkten Unterstützung der industriellen Anwender ab.
Was für unmöglich gehalten wurde, ist nun Realität
Vor einiger Zeit noch mussten alle verfügbaren Echtzeitkernel jedesmal nachgerüstet werden, wenn eine neue Technologie wie z.B. ein neues Prozessordesign oder ein schnelleres Kommunikationsprotokoll verfügbar wurden. Der enorme Aufwand, der mit solchen Nachrüstungsarbeiten verbunden war, führte zu der Idee, dass es viel einfacher sein müsste, ein einzelnes GeneralPurposeBetriebssystem in ein EchtzeitBetriebssystem umzuwandeln, anstatt alle Echtzeitkernel immer wieder mit neuen Technologien nachzurüsten – allerdings eine Aufgabe, die sich eher als Redesign denn als reine Erweiterung herausstellen sollte, da die anzupassenden Kernelfunktionen Einfluss auf das gesamte System haben. Die Mehrzahl der BetriebssystemExperten waren damals felsenfest davon überzeugt, dass es völlig unmöglich ist, ein bestehendes Betriebssystem nachträglich echtzeitfähig zu machen. Aber der Open SourceAnsatz bei der Entwicklung von Linux machte es dennoch möglich. Dies beweist die große Zahl von Systemen in der OSADL QAFarm, auf denen der jetzt freigegebene auf Kernelversion 3.12 basierende „Latest Stable“ LinuxEchtzeitkernel läuft: Selbst während einer insgesamt einjährigen Kontrollperiode unter verschiedenen LastSzenarien wurden kontinuierlich minimale Latenzwerte ohne einen einzigen Ausreißer gemessen, wie in der Abbildung zu sehen ist.
Die Entwicklung einer robusten Technologie war nur der erste Schritt – weitere müssen folgen.
Die Tatsache, dass ausgewählte LinuxKernelversionen erfolgreich mit Echtzeit ausgestattet werden können, bedeutet noch lange nicht, dass von nun an jeder neue Linuxkernel echtzeitfähig ist. Obwohl rund 90% der ursprünglichen EchtzeitPatches es bereits in den MainlineKernel geschafft haben, warten die restlichen Anteile noch darauf, integriert zu werden. Und selbst wenn sich irgendwann alle Patche im MainlineKernel befinden, wird eine regelmäßige Wartung der EchtzeitKomponenten in Zusammenhang mit dem Linuxkernel notwendig sein.
Wie kann die Verfügbarkeit von EchtzeitLinux sichergestellt und die zukünftige Pflege in Angriff genommen werden?
Bis vor kurzem wurde die Entwicklung von EchtzeitLinux überwiegend im Rahmen von individuellen Projekten finanziert, was zu einer unzuverlässigen Finanzierung geführt hat. Unabhängige und langfristige Unterstützung von EchtzeitLinux ist eine der Kernaufgaben des Open Source Automation Development Lab (OSADL). Es wurde als eine von Mitgliedern getragene Organisation gegründet, das sich die Unterstützung von Open SourceSoftware für die Industrie auf die Fahnen geschrieben hat – und so ist es naheliegend, dass OSADL nun die Funktion der ehemaligen Sponsoren übernimmt. Glücklicherweise ist OSADL inzwischen auf fast 50 Mitgliedsunternehmen gewachsen und in der Lage, etwa die Hälfte der benötigten Mittel für Pflege und Anpassung der RealtimePatche aus dem laufenden Haushalt zu bestreiten. Die andere Hälfte muss von neuen Mitgliedern und externen Quellen aufgebracht werden. Allerdings erfordert Langzeitstabilität mehr als nur den reinen Erhalt des Status quo. Daher muss die Gemeinschaft der Anwender von EchtzeitLinux zusätzlich die Finanzierung der MainlineIntegration der restlichen Patche stemmen. Diese Integration sollte so bald wie möglich starten, da selbst kleinste Codebestandteile, die nach Mainline gebracht werden können, den Pflegeaufwand bereits reduzieren können. Wenn eines Tages der gesamte Code der derzeitigen Patche in den MainlineKernel integriert sein wird, ist es das erklärte Ziel von OSADL, die restliche Wartung langfristig zu finanzieren, ohne auf externe Hilfe angewiesen zu sein.
Es gibt viele Wege beizutragen
Die naheliegende Art und Weise zu helfen, besteht natürlich darin, dem OSADL als Mitglied beizutreten. Darüber hinaus hat OSADL in enger Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedern und anderen interessierten Parteien eine Reihe von Möglichkeiten erarbeitet, wie außerdem noch beigetragen werden kann:
– Vorübergehende Erhöhung des OSADLMitgliedslevels, z.B. von Bronze auf Gold, wenn zutreffend
– Übernahme einzelner Arbeitspakete von EchtzeitSoftwarekomponenten
– Abschluss eines ServiceLevelAgreements
– Individuell zugeschnittene Möglichkeiten zur Deckung des Finanzbedarfs
Da die EchtzeitPatche in vielen kommerziellen Industrieprodukten eingesetzt werden, gibt es berechtigte Hoffnung, dass genügend Hersteller und Lieferanten dazu ermutigt werden können mitzumachen und so dazu beizutragen, dass ein bisher so erfolgreiches Projekt es auch in Zukunft bleibt. Unter Berücksichtigung der Tatsache, wie gering der erforderliche Beitrag des einzelnen ist, hat die Entscheidung für EchtzeitLinux auch unter ökonomischen Gesichtspunkten zweifellos weiterhin Bestand.
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